Basiskurs Alpin/Eis, Steigeisengehen, Spaltenbergung des DAV Worms vom 30.06. bis 03.07.2005 Franz Senn Hütte, Neustift im Stubaital

Leitung: Thomas (Tom) Emmel (DAV Worms)

Teilnehmer: Thomas Thränhardt (DAV Mannheim)
Burkhard Frößl (SAC Zürich)
Matthias Frößl (DAV Worms)

Nach einer reibungslosen Fahrt über Feldkirch (A), wo wir unseren wahlschweizer Bergkameraden aufgelesen haben, haben Thomas und ich um kurz vor 12:00h unsere Ausrüstung beim Bergsteigerbüro in Neustift (Tel.: 0043(0)5226-3461, 2322 od. 2983) um Steigeisen und Eispickel erweitert. Die Miete von 2,50 EUR je Teil und Tag erschien uns recht günstig, zumal nur zwei Tage abgerechnet wurden (Wir haben die Teile ja auch nur zwei Tage benutzt).

Dann ging's weiter durchs Oberbergtal hinauf bis zur Oberisshütte (1742m), dort stellten wir das Auto auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz ab und bereiteten uns für den Aufstieg (Topo, Orthofoto 1:5.000, Höhenprofil) zur Franz-Senn-Hütte (2149m) vor. Dieser führt entlang der Materialbahn, die unser Gepäck zur Hütte brachte (0,40 EUR/kg). Als wir nach einer knappen Stunde dort ankamen und unser 4-Bett-Zimmer bezogen hatten, hat uns Tom erst mal in die Grundtechniken der Sicherung und Bergung am Gletscher eingewiesen. So haben wir hinter der Hütte intensiv das Bergen eines (Rucksack-) Kameraden aus einer imaginären Gletscherspalte trainiert. Jetzt hatten die Begriffe "Lose Rolle" und "Toter Mann" plötzlich eine nachvollziehbare Bedeutung, wobei der Gedanke an einen quer in den Schnee eingegrabenen Eispickel als einzigen Festpunkt zur Personensicherung bei uns bohrhakengewohnten Freikletterern doch noch etwas Stirnrunzeln bereitete. Danach ging's an die Feuerleiter der Hütte, dort übten wir die Selbstrettung mittels der Prusiktechnik. Als es dann kühler wurde, studierten wir in der Hütte die umfangreiche Lehrbibliothek, die Tom mitgebracht hatte. Mit der Planung für die Gipfeltour am nächsten Tag beauftragte uns Tom, so berechneten wir die Gehzeit, stimmten die Ausrüstung ab und erkundigten uns beim Hüttenwirt über den Weg und das morgige Wetter. Nach dem Abendessen, einigen Runden "Dalmuti" und einigen "Russen" (für die Nichtbayern: Weizenradler) ging's in die Falle.

Am nächsten Morgen hatten wir ein ausgiebiges Frühstück vom Buffet, bereiteten unser "Jausenbrot" und machten uns bei starker Bewölkung auf den Weg. Gipfelziel für heute war die Hintere Sommerwand (3123m, Topo, Orthofoto 1:5.000, Höhenprofil). Ab einer Höhe von ca. 2600m ging der einsetzende Nieselregen in leichten Schneefall über. Etwas weiter am Fuß des Sommerwandferner haben wir dann die Steigeisen angezogen und erste Schritte auf firnigem Schnee gewagt. Tom hat uns einige Tipps zum Steigeisengehen gegeben und entsprechende Übungen geleitet. Dann haben wir das Seil ausgepackt und Burkhard hat die Seilschaft über den Sommerwandferner geführt. Einmal hat er Bekanntschaft mit einer Spalte gemacht, allerdings nur bis zur Hüfte. An der Kräulscharte (3065m) angekommen machten wir eine Pause und setzten den Gipfelanstieg mit leichter Kletterei fort. Vom Gipfel der Hinteren Sommerwand (3123m) hatten wir bei mäßiger Sicht u.a. Ausblick auf den Alpeiner Ferner (Bild 307) und die Gipfelreihe der Sommerwand (Bild 308). Für den Abstieg wählten wir über den Gletscher eine vom Aufstieg abweichende Route, die auf der AV-Wanderkarte eingezeichnet war, sich aber lt. Tom wegen Steigung und Spaltengefahr als ungünstigere Variante herausstellte. Über den Aufstiegsweg ging's dann wieder zurück zur Hütte. Vor dem Abendessen planten wir noch die morgige Tour, die wg. ungünstiger Wettervorhersage nicht unter einem guten Stern zu stehen schien. So hofften alle auf Wetterbesserung. Der Hüttenwirt empfahl uns die Variante mit Aufstieg durch die Turmscharte, dies wich etwas von Tom's ursprünglichem Plan ab. So ging ein erster Gipfeltag zu Ende, bei dem wir gutes Vertrauen in das Sicherungskonzept am Gletscher gewinnen konnten.

Das Gipfelziel für den heutigen Tag war das Wilde Hinterbergl (3288m, Topo, Orthofoto 1:5.000, Höhenprofil). So wanderten wir nach einem reichlichen Frühstück entlang des Alpeiner Baches durch das Gletschertal, das zur Zeit der Erbauung der Franz-Senn-Hütte noch mit Gletschereis bedeckt war. Ab dem Berglastal nahmen wir den "alten" Weg über die riesige Seitenmoräne des ehemaligen Gletschers, und man kann nur erahnen, welche Dimensionen dieser Gletscher einst gehabt haben muß! Eine "neue" Variante des Weges führt am Gletscherbach entlang zur Gletscherzunge und weiter zum Abzweig zum Verborgen-Berg-Ferner. Diesen Weg nahm eine größere Gruppe Bergsteiger, die wir auf der "alten" Wegführung überholten. Am Verborgen-Berg-Ferner ging ich voraus über eine langezogene Rechtsschleife über den Gletscher, dann über eine lange Gerade und weiter über eine Links - Rechtsschleife zum Einstieg in die Wilde Turmscharte. Wir entschieden uns, die teilweise verschneite Kletterei im zweiten Grad ohne Sicherung zu gehen, das vorhandene Fixseil gab ausreichend Sicherheit. Die größere Gruppe Bergsteiger, die uns in zwei Sechser-Seilschaften folgte, war froh über unsere Spur. Nach einer Rast an der Wilden Turmscharte führte Thomas unsere Seilschaft bei leider ziemlich schlechter Sicht über den oberen Teil des Berglasferner zum Gipfel des Wilden Hinterbergl (3288m), den wir im Nebel und bei starkem Wind, leichtem Schneefall und ca. 0°C nur bedingt genießen konnten. Beim Abstieg blieben wir an der südlichen Gletscherseite zwischen Vorderer Wilder Turm und Alperer Turm. Dort hat Burkards Hose Erfahrung mit den Steigeisen gemacht und sich einen ordentlichen Riss zugelegt. Nach dem Verlassen des Gletschers ging der Steig wieder hinab mit tollem Blick auf den Alpeiner Ferner. Der Blick zurück zeigte unsere Spur beim Einstieg in den Verborgen-Berg-Ferner und den gestrigen Gipfel, die Hintere Sommerwand. Burkhard hatte wohl etwas mit der Höhe zu kämpfen, sein leichter Kopfschmerz verschwand erst wieder, als der frischgebackene Apfelstrudel auf dem Tisch stand. Die Nachbereitung des Erlebten wurde wie jeden Abend von einigen Runden "Dalmuti" begleitet. Da Thomas fast während der gesamten Zeit "sprachlos" war wegen einer Erkältung, mussten Blicke alles sagen! Am nächsten Morgen erwartet uns zur Abreise bestes Sonnenscheinwetter, so dass sich alle eine Verlängerung wünschten, was aber leider nicht möglich war. So mussten wir wieder zurück ins Tal, der Gepäcktransport per Materialbahn war sogar kostenlos.

So ging ein tolles Gletscherwochenende zu Ende, bei dem wir viel Neues gelernt und viel Interessantes erlebt haben. Tom hat uns super in alle Vorbereitungen und Planungen einbezogen, viel beigebracht und erklärt und uns sicher über die Gletscher auf die Gipfel und wieder zurück geführt! Wir hatten sehr viel Spaß, die Kameradschaft war super und obwohl wir mit dem Wetter nicht so viel Glück hatten, freuen wir uns alle auf ein nächstes Mal ....!