Mallorca – einmal anders Frühlingstemperaturen im Februar, milde Lüfte, ein Mandelblütenmeer, blauer Himmel und Sonnenschein, das alles hatten wir erwartet und war uns versprochen worden. Aber ach - die rauhe Wirklichkeit sah ganz anders aus!

Zeitungsmeldungen zwei Wochen vor unserer Fahrt liessen schon Schlimmes befürchten: dicke Schneeflocken in Palma, winterliche Temperaturen auf ganz Mallorca! Und so fand schon die Abreise aus der Heimat zu mitternächtlicher Stunde bei einem erneuten Wettersturz im dicken Schneetreiben statt. Ob es in Mallorca so weiterging? Mallorca – eine Insel der Widersprüche in der öffentlichen Meinung. Auf der einen Seite die Insel mit allen Auswüchsen des Massentourismus, der im Ballermann mit dem Sangriawettsaufen und der deutschen Meile seinen unrühmlichen Höhepunkt erreicht. Auf der anderen Seite die Insel mit den verträumten Buchten, den noch ruhigen Höhenwegen in der rauhen Gebirgskette, der noch ursprünglichen ländlichen Umgebung und der Naturschönheiten. Dem Mallorcaneuling stellt sich natürlich die Frage- was denn nun? Wie so oft im Leben, trifft beides zu. Wer unbedingt den Rummel sucht, wird ihn natürlich finden, obwohl es inzwischen Bestrebungen gibt, die schlimmsten Auswüchse auszumerzen. Gottseidank findet auch der Liebhaber ursprünglicher Dörfer und unverfälschter Natur ebenso seine Ziele. Und wie es guter Brauch ist bei den Unternehmungen des Alpenvereins, lag genau darauf der Schwerpunkt der Planungen für unsere Mallorcatour. Es gab im Verlauf der zwei Wochen, die wir auf der Insel verbrachten, eine Fülle von Eindrücken zu verarbeiten und immer wieder steigen neue Erinnerungen hoch: die einsamen Wege in der Serra de Tramuntana, die Schlucht von Biniaraitx, der Küstenpfad, alte Dörfer wie Fornalutx mit den Orangen- und Olivenhainen, die mallorqinischen Verspern mit Dorothea und Paco, die Geselligkeit, der eisige Wind, die schneebedeckten Berge Mallorcas(!), der gute Rotwein, die Aussicht vom Teix, der Cremadillo, Edmund mit seinem Jagdhorn und Charly am Klavier und der Gitarre, Pacos Meerschneckensignalhorn... Deshalb, um der Fahrt gerecht zu werden – es geht nur über ein Reisetagebuch!

 

20.02.05 - Sonntag

Nächtliche Anreise zum Flughafen im Wettersturz mit Schneetreiben. Ankunft um 07.00 Uhr in Palma und mit dem Bus nach Port de Soller. Da die Zimmer noch nicht frei sind, Spaziergang mit Paco mit uns müden Kriegern rund um Port de Soller.

21.02.05 - Montag

Mit Dorothea Wanderung durch Oliven- und Pinienhaine zum Leuchtturm; Mallorca im Schneetreiben. Am Ende Einkehr im Refugi am Cap Gros mit Kichererbsensuppe und mallorquinischer Vanillecreme. Rückweg mit schönem Blick zum Meer und in die Bucht von Soller.

22.02.05 - Dienstag

Fahrt nach Fornalutx, ein schönes, altes Dorf mit Treppenstraßen.Wanderung zu einem Orangenhain mit selberpflücken der Früchte. Dorfbesichtigung mit Pause auf der Piazza. Über alte Steinpfade durch Olivenhaine zur Mittagseinkehr in die Finca von Pep, der eine leckere Gemüse-Reissuppe im Freien kocht. Vorspeise mit Brot, Wurst (die auf Bäumen wächst) und Oliven. Zum Aufwärmen gibt es Rotwein und Carachillo. Nachtisch mit einer typischen Ensaimada. Abends Einkehr im Es Port bei Sangria.

23.02.05 - Mittwoch

Wanderung in die Bucht von Deya. Versperproviant wird selbst getragen. Unterwegs gibt es O-Saft in einem alten Landgut. Regen von morgens bis abends, sogar während des Picknicks (trotzdem lustig!). Vesper mit Brot, Wurst, Oliven, Käse, getrocknete Tomaten, Rotwein. Nach dem Hjerbas war der Tag gerettet. Den Ab- und Aufstieg in die Bucht wagt nur noch ein Teil der Mannschaft. Die Gebäude sind zu dieser Jahreszeit noch unbewohnt, Dorothea füttert die Katzen mit unseren Versperresten. Erst ab Ostern beginnt hier wieder das Leben.

24.02.05 -  Donnerstag

Abfahrt zum Stausee Cuber, vom See aus auf einen Sattel unterhalb des L’Ofre. Danach Abstieg durch die Barranca de Biniaraitx; wunderbare Schlucht mit steilen Bergwänden um uns herum. Steiniger alter Pilgerweg bis zum Vesperplatz bei Paco, der wieder Köstliches vorbereitet hat: Vorspeise mit Brot, Thunfisch, Tomatenpürree, Kapern und Knoblauch, danach Morcillo und Sobrasada am Spieß, dazu Oliven, Rotwein, Datteln, Aprikosen, Mandeln und natürlich Hjerbas aus der Familienflasche. In Biniaraitx gibt es O-Saft bei Antonia (schöne Aquarelle in der Gaststube), danach Rückfahrt mit der historischen Strassenbahn.

25.02.05 - Freitag

Es regnet, eigentlich keine Lust zu wandern. Wir gehen trotzdem und es lohnt sich. Mit dem Bus zum Mirador Ses Barques, von dort durch die Ländereien der drei Fincas von Balitx. Aufstieg zum schönen Küstenpfad zur Cala Tuent. Typisches Essen in der Gaststätte mit Gemüsesuppe, Fleischbällchen, Kartoffeln, Gemüse, Pudding und als Abschluss Carachillo. Rückfahrt mit dem Kataraman nach Puerto Soller; bis auf Werners Hut kein Opfer an Neptun.

26.02.05 - Samstag

Auf zur Abschlusstour nach Valldemossa! Der grössere Teil der Gruppe macht auf Gemütlich mit Besichtigung und Busfahrt zum Treffpunkt am Coll de Soller, nur ein Häuflein von 13 Aufrechten wagt mit Dorothea den Aufstieg in das Teix-Gebirge. Das Wetter zeigt sich von der schöneren Seite wie die ganze Woche noch nicht; weiße Wolken, ab und an eine schwarze dazwischen, aus der es einmal kurz schneit, dann wieder Sonnenschein. Rast auf einem Plateau mit Sicht bis Palma und die Insel Cabrera. Der Gipfel des Teix ist zu sehen, es sieht noch weit aus! Über eine Leiter und eine kleine Kletterpartie wird der Weg unterhalb des Gipfels erreicht. Ein Teil der Gruppe geht über den Gipfel, der andere umrundet ihn. Ein eisiger Wind, aber die Sicht ist Spitze! Der Massanella wirkt wie ein alpiner Gletscherberg. Nach dem Abstieg zum Coll de Soller gibt es zur Belohnung einen musikalischen Empfang durch Charly mit den „Tramps aus der Pfalz“ und zur Stärkung Tomatenbrot zur Vorspeise und danach köstlichen Lammbraten. Der Abschluss mit Dorothea, Paco und dem Cremadillo wurde zu einem lustigen Nachmittag, der sich im Hotel über alle Balkone spontan fortsetzte!

27.02.05 - Sonntag

Abfahrt nach Calla Millor; das Wetter an der Küste ist freundlicher als in den Bergen. Nachmittags Spaziergang zum Castello an der Punta Amer, der mit Sangria befeuchtet wurde. Am Abend konnte Charly dem Klavier nicht länger widerstehen und erprobte den Holzmichel.

28.02.05 - Montag

Sturmtief – keiner möchte vor die Tür. Einige Hartgesottene wandern in Schräglage die Costa des Pins entlang, andere beehren die Fussgängerzone.

01.03.05 - Dienstag

Willi wandert mit etwa 10 Unentwegten nach Portocristo, was man nicht mehr ganz sauber erreichte. Bei dem Rest der Truppe steigt so langsam der Krankenstand, das Krankenbulletin würde Seiten füllen.

02.03.05 - Mittwoch

Freier Tag, entsprechend strahlender Sonnenschein. Jeder ist auf eigene Faust unterwegs.

03.03.05 - Donnerstag

Besichtigungsfahrt mit Dorothea nach Palma, der Inselhauptstadt. Unterwegs Besuch eines Töpfermarktes, wo Willi sich nicht von einem Keramikfrosch losreissen kann. Endlich gutes Wetter, der Stadtrundgang ist interessant und zeigt die Facetten der Stadt. Beeindruckende Kathedrale. Die Fahrt zum Belver legt uns Palma zu Füßen; tolle Sicht auch bis in die Berge.

04.03.05 - Freitag

Nichts ist so beständig wie der Wechsel- das Wetter ist wieder schlecht! Trotzdem Fahrt in die idyllische Bucht der Cala Figuera, leider etwas trostlos und menschenleer bei diesen Bedingungen. Die Anlage „Botanikaktus“ vermittelt Eindrücke in die Welt der Kakteen, sieht manchmal aus wie in der Wüste Arizonas. Zum Abschluss über schmale Serpentinen zum Kloster San Salvador; Anerkennung für die Souveränität unseres Busfahres auf diesem Sträßchen!

05.03.05 - Samstag

Freier Tag, daher wieder schönes Wetter.. Die meisten wandern nochmals zum Castello zur Sangria. Abends Abschluss in einer Bodega bei viel Rotwein und Gesang (auch Kölsche Lieder!). Waltraud und Willi erhalten ihren wohlverdienten Dank für die Organisation und Willi wird mit seinem Lieblingsfrosch überrascht. Über den weiteren Fortgang des Abends breiten wir den Mantel des Stillschweigens.

06.03.05 - Sonntag

Heimreise Abreisetag; um 5 Uhr bereits ist Wecken und nach einem Sparfrühstück geht es zum Flughafen. Der Rückflug über die Alpen bei guter Sicht ist beeindruckend. Die verschneite Heimat hat uns wieder, und schon gibt es die Vorfreude auf das Nachtreffen, um die Erinnerungen an die Fahrt wieder aufzufrischen.

Dann also bis zum nächsten Mal, Dorothea und Paco, und Vamonos !!